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Johann Wolfgang von Goethe: "Faust" - der Tragödie erster Teil
Die Sage von Heinrich Faust, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Goethe hat diesen Stoff 1772 aufgegriffen, beendete das Drama aber erst 1831. Im Zentrum der Handlung steht der Wunsch eines alternden Schwerenöters, mit hübschen jungen Mädchen in näheren Kontakt zu kommen. Sein Hilfsteufel Mephistopheles verschafft ihm hierzu neue Anziehsachen.

Höhepunkte der deutschen Literatur in reinem Ruhrdeutsch
Diese begrenzte und sorgfältig erwogene Auswahl will versuchen, epochale Werke der deutschen Literatur in markanter Kürze und Verkürzung in die Sprache des Ruhrgebietes zu übertragen. Bewiesen ist hiermit die Literaturfähigkeit des Ruhrdeutschen.


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Höhepunkte der deutschen Literatur in reinem Ruhrdeutsch

Die BürgschaftÄnnchen von Tharau
Zampano sein SiftMax und Moritz im Kohlenpott
Ich weiß nicht, was soll es bedeutenDer Froschkönig von Oberhausen
Die-mit-die-rote-Kappe-aufen Kopp

Höhepunkte der deutschen Literatur in reinem Ruhrdeutsch
Johann Wolfgang von Goethe: "Faust" - der Tragödie erster Teil (erste Begegnung von Faust und Gretchen; Gretchen am Spinnrade)

Straße. Faust.
Margarethe vorübergehend.

Faust
Ey, lecker Mäusken, daaf ich wagen,
Dich en bißken anzugraben?

Gretchen
Is nix mit Baggern, bin kein Mäusken,
Geh nur solo inn’t Kabäusken.
(Sie macht sich los und ab.)

Faust

Verdorri, wat en lecker Dier,
Echt sisselmissel wurdet mir.
Wat en Zinken, wat ne Schnüss,
En bißken schnippisch se auch is.
Kulleräugskes, gaanich dumm,
Dat haut den stärksten Fuhrmann um.
Und angepillert hatse mich,
Dat krich ich ausse Birne nich.
(Mephistopheles tritt auf)
Faust
Die Olle musse mich besorgen.

Mephistopheles
Wat für eine?

Faust
Lieber jez als morgen.

Mephistopheles
Dat Etteken, dat grad vorbeigedackelt?
Dat hat dich richtich angefackelt?
Von ihrn Popen kam den Dopp.
Sacht zu den schwatten Schlunzekopp,
Se hätt kein Sündken, wär ne Töffte,
En Seger se nich ham tun möchte.
Bei sonne ipschig Edelschnalle
Sein Teufel seine Muckis alle.

Faust
Ja, tu ich denn der Leo sein,
Dat geht in meinen Kopp nich rein,
Sonz biss Graf Rotz, ziehs ab ne Schau,
Sollz ma malochen, machse blau.
Son echten Hufentünnes ausse Hölle
Kricht sonen Dotz nich aufe Kelle?
Se liegt heut abend in mein Arm,
Sonz kannze mich ma gerne ham!

Schließlich schafft es Mephistopheles doch noch, Faust und Gretchen zusammen zu bringen.
Die junge Dame hat sich voll in Faust verliebt.

Gretchens Stube. Gretchen am Spinnrade allein.

Achottachott, kannet nich glauben,
Dat ich hab Sternkes inne Augen.
Den heißen Heini, wat fürn Massel,
Brachte de Dingskes in mein Dassel.
Sein tun duhne, bin meschugge,
Mein Intellenz kommt nich zum Zuge.
Achottachott, kannet nich glauben,
Dat ich hab Sternkes inne Augen.

Ich bin den Heini seinet Mäusken,
Geh nur mit ihn in mein Kabäusken.
Den süßen Fratz, den Knuddelbär,
Isser nich da, kann ich nich mehr.
Er mein Seger, ich sein Keule,
Er macht nie Knies, macht nie ne Beule.
Achottachott, kannet et nich glauben,
Dat ich hab Sternkes inne Augen.

Wennwer bei son ipschig Pläuschken,
Rappzappzapp von mein Kabäusken,
In son Schrebber mit so Priemeln
De Patschehänd zusammenfriemeln,
Wenner knubbelt oder knutscht,
Dat Herzken inne Bux mich rutscht,
Heini, dann kann ich et glau Farbe ben:
Ey, ich hab Sternkes inne Augen.