www.ruhrgebietssprache.de
Jott Wolf "Max und Moritz im Kohlenpott" (Ausschnitt Schote 4)
"Dat Büchsken mit Bilders vonnen Busch Wilhelm" war 1991 das erste literarische Ganzwerk, das in die Ruhrgebietssprache übertragen wurde. "Die Rotzigen vonne Ruhr" untertitelt Autor Jott Wolf seine Version der 1865 erschienenen Bildergeschichte von den "bösen Buben".
Höhepunkte der deutschen Literatur in reinem Ruhrdeutsch
Diese begrenzte und sorgfältig erwogene Auswahl will versuchen, epochale Werke der deutschen Literatur in markanter Kürze und Verkürzung in die Sprache des Ruhrgebietes zu übertragen. Bewiesen ist hiermit die Literaturfähigkeit des Ruhrdeutschen.


www.ruhrgebietssprache.de ist ein Service des Verlages Henselowsky Boschmann – Bücher vonne Ruhr.
Für Ergänzungen und Anregungen schicken Sie uns bitte eine E-Mail.
copyright: Verlag Henselowsky Boschmann


Höhepunkte der deutschen Literatur in reinem Ruhrdeutsch

Zampano sein SiftÄnnchen von Tharau
"Faust" - der Tragödie erster TeilDie Bürgschaft
Ich weiß nicht, was soll es bedeutenDer Froschkönig von Oberhausen
Die-mit-die-rote-Kappe-aufen Kopp


Jott Wolf
"Max und Moritz im Kohlenpott" (Ausschnitt Schote 4)


Schote 4
Wollz später ma en Lärri machen,
Musse bimmsen viele Sachen.
Wollze ma en Daimler fahrn,
Musse orntlich Bildung ham.
Is dat ABC dich fremd,
Hasse immer kurzet Hemd.
Hass kein duftet Käseblatt,
Krisse Knete niemals satt.
Denn dat Lesen und dat Pinnen
Brauchse, um echt wat zu bringen.
Dat sowat tiptop geschah,
Dafür war den Lämpel da.

Max und Moritz, schwer auf Zack,
Konnten den dafür nich ab.
Remmidemmers und Schaluppen
Tun en Pauker gern ein zuppen.



Gedönsrat Lämpel war zwar tüchtich,
Aber auch nach Tabak süchtich.
Denn mit viele böse Blagen
Mußter ständich sich rumschlagen.
Und so tater sich gewöhnen,
Sich an Abend ein zu dröhnen.

Max und Moritz wolln ma schaun,
Wiesen vore Omme haun.
Kannz drauf wetten, kannz drauf an,
Die wat aufe Fanne ham.
Wie ma widder Sonntach war,
Is für Jungs et klärkenklar.


Wie Lämpel tut mit alle vieren,
En Popenklavier matretieren,

Mitten Bruch, en echten flotten,
Knackense den Dönsrat-Kotten,
Wo ne riesen Piepe stand.
Max, der nimmt se inne Hand,
Kumpel holt sich ausse Tasche
Fix ne Böllerpulverflasche,
Und dann haunse, rappezopp,
Pulver innen Piepenkopp.
Wie se machen sich von Acker,
Beömmeln sich zwobeiden Racker.

So richtich fertich latscht den Lämpel
Grade raus aus seinen Tempel.



En Schmökerbuch und noch son Kram
Hälter feste unter Arm.


Ab in Hütte, nix malochen,
Nix mehr Brassel, mix mehr schwoofen,
dat er nach all sonner Plage
Sich an Knaster richtich labe.


"Boor!", so sachter, "watten Segen,
Wenne dich kannz einen flegen."


Wupp, kapaaftich, böller, bumms!
Volle Kanne, ratter, rumms!
Ab mit Schmackes geht de Kate
Hoch wie sonne Blendgranate.
Für Lämpels Pisselottenpracht
Is Hängen angesacht in Schacht
.


Wiede widder kucken kannz,
Siehs, den Lämpel is noch ganz,
Is groggi zwa und is bedröppelt,
Wie wenn Kran ihn umgenöppelt.
Döppen schwatt, de Nase dicht.
Hat ein voren Latz gekricht.
Kolone isser, duhne viel,
Und grummelt ständich nur: "Scheißspiel!"


Wer soll mitti Krötzkes bald
Pauken inne Lernanstalt?
Wer soll gez de ullich Schnallen
Bildung inne Birne knallen?
Wat soll machen tun de Lämpel
Abends nacher Schicht in Tempel?
Mitti Zeit wird all dat glatt,
Nur de Piepe, die bleibt platt.

Dobsche, dobsche, dralala,
Max und Moritz waren da.
Schote vier war fetzich fein,
Nummer fünf knallt auch voll rein.


aus "Max und Moritz im Kohlenpott. Die Rotzigen vonne Ruhr"